Kochen, Kunst und Charakter

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Kochen, Kunst und Charakter

Helmut F. Kaplan

Neulich sah ich wieder den Präsentator eines Kulturmagazins in einem der diversen TV-Koch-Klubs. Das sind jene perversen Sendungen, bei denen Tierleichen „kunstvoll“ zerhackt oder zerschnitten werden, um dann, mit 10.000 Kräutern, Gewürzen und anderen Zutaten versehen, gebraten, gekocht oder sonst irgendwie „verfeinert“ zu werden. Dabei wird pausenlos gequasselt, um zu beweisen, wie witzig, cool und humorvoll die kochenden Prominenten in Wirklichkeit sind. Vollends unerträglich wird es, wenn während der Leichenschändung auch noch über Kunst und Kultur geplaudert wird.

Freilich stehen die kochenden Kulturträger mit ihren grauenvollen Geschmacklosigkeiten nicht alleine: Auch die meisten Künstler sind keine Veganer, sondern ordinäre Fleischfresser. Oft habe ich mich gefragt: Wie ist es nur möglich, gleichzeitig großer Künstler und gemeiner Tiermörder zu sein?

Die Entschuldigung, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch möglich war, gibt es heute jedenfalls nicht mehr: den Leuten sei halt einfach nicht richtig bewußt, was sie da essen und was sie damit bewirken. Wer heute wissen will, weiß, was hinter Schlachthofmauern passiert – und wer dafür verantwortlich ist.

Man könnte es sich nun einfach machen und sagen: Entweder jemand ist Künstler oder Mörder. Nur: Dann blieben kaum noch Künstler übrig. Also muß man sich wohl zur Erkenntnis durchringen, daß viele Menschen Künstler und Mörder sind, daß Kunst und Moral schlicht wenig miteinander zu tun haben.

Das ist nun zwar keine umwerfende Erkenntnis, aber unsere Reaktion darauf zeigt immerhin, wie verworren unsere diesbezüglichen Gedanken und Gefühle nach wie vor sind. In unseren Köpfen spukt noch immer die Vorstellung vom Wahren, Guten und Schönen herum. Die Wahrheit aber ist: Auch schlechte Menschen können Wahres erkennen und Schönes schaffen.

Ärgerlich ist es meist allerdings dennoch, wenn sich Künstler als moralisch minderwertige Menschen erweisen. Dann nämlich, wenn sie selbst einen moralischen Anspruch erheben. Wer gewohnheitsmäßig an der Folter und Ermordung von fühlenden Wesen beteiligt ist, kann nämlich keinem moralischen Anspruch gerecht werden. Das gilt umso mehr für jene Eß-Künstler, die die menschliche Tyrannei über Tiere auch noch öffentlich und zynisch zelebrieren. Ethik ist unteilbar. Man kann nicht einerseits Menschenrechte fordern und andererseits für banalste Zwecke Tierrechte mit Füßen treten.