Vegan nützt nicht nur Tieren

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Vegan nützt nicht nur Tieren

Helmut F. Kaplan

Welternährung

Ein Argument gegen den Fleischverzicht, also gegen den Vegetarismus, lautet: Ohne Fleisch könnten wir die stets wachsende Weltbevölkerung nicht ernähren. Die diesbezüglich relevanten biologischen Zusammenhänge weisen allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Die Fleischproduktion verschärft die Hungerproblematik:

Wenn Getreide und Soja nicht direkt, sondern über den Umweg über den Tierkörper konsumiert werden, gehen etwa 90 Prozent der Kalorien verloren. Und selbst dieser prekäre Wirkungsgrad wird nur errreicht, weil die Tiere kurz vor dem Erreichen des Erwachsenenalters getötet werden. Danach wäre das Verhältnis noch desaströser. Mit anderen Worten: Die Umwandlung pflanzlicher Lebensmittel in Fleisch stellt eine gigantische Verschwendung von Nahrungsmittelressourcen dar. (Swissveg 2013, 2.1., 2.2.; Peta 2014; Peta 2013)

Generell gilt: Je mehr tierliche Produkte wir essen, desto weniger Menschen können wir ernähren, da Ressourcen und Anbauflächen begrenzt sind. Es gibt einen Konkurrenzkampf zwischen Tierindustrie und Hungernden, ein Ungleichgewicht zwischen Wohlstands- und Entwicklungsländern, das durch den Konsum von Fleisch und anderen tierlichen Produkten aufrechterhalten wird. In der EU werden so große Mengen an Fleisch produziert und konsumiert, dass die benötigten Futtermittel nicht nur in der EU angebaut werden, sondern zu einem großen Teil importiert werden müssen – auch aus Regionen, in denen Menschen hungern. ,Das Vieh der Reichen frißt das Brot der Armen‘ bringt diese Problematik auf den Punkt. (Peta 2014)

Umweltschutz

Nutztiere verbrauchen rund acht Prozent des globalen Trinkwassers. Zum Vergleich: Der direkte menschliche Verbrauch (Trinkwasser, Duschen, Industrie usw.) beläuft sich auf etwa ein Prozent. Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch werden 15500 Liter Wasser benötigt! Diese gigantische Menge ergibt sich aus dem Wasser, das die Tiere selbst brauchen, sowie aus dem für den Futtermittelanbau benötigten Wasser. Außerdem sind Stallreinigung und ,Weiterverarbeitung‘ der Tiere im Schlachthof äußerst wasserintensiv. Durch den steigenden Konsum von tierlichen Produkten benötigt die Landwirtschaft weltweit immer mehr Wasser. In Indien muss in manchen Regionen das Wasser bereits aus über 1000 Metern Tiefe gepumpt werden. Auch in den USA trocknen immer größere Gebiete aus, weil die Böden für den Futtermittelanbau sowie die Weideflächen oft künstlich bewässert werden müssen und dadurch der Grundwasserspiegel ständig sinkt. (Swissveg 2013, 1.2., 1.8.; Peta 2013)

Tierwirtschaft bedeutet aber nicht nur Wasserverschwendung, sondern auch Wasserverschmutzung, etwa durch Pestizide, Herbizide und Medikamente beim Anbau von Futtermitteln und bei der Aufzucht der Tiere. Auch die ,normale‘ Wasserverschmutzung durch die Ausscheidungen der Tiere wirkt sich negativ auf Qualität und Menge des Trinkwassers aus. Zur Veranschaulichung: die Schweinepopulation in Deutschland erzeugt doppelt so viele Abwässer wie die menschliche Population – obwohl es weniger Schweine als Menschen gibt. (Peta 2013)

Die Gewinnung von Land für die Viehzucht ist eine der Hauptursachen für die Regenwaldzerstörung: Allein in Südamerika fielen in den letzten vier Jahrzehnten 40 Prozent des Regenwaldes Weideflächen oder Anbauflächen für die Futterproduktion zum Opfer. 70 Prozent des abgeholzten Amazonas-Regenwaldes werden für Rinderweiden verwendet und ein Großteil der restlichen 30 Prozent dient dem Futtermittelanbau. Die Regenwaldzerstörung gehört ihrerseits zu den Ursachen für eine weitere ökologisch bedenkliche Folge des Fleischkonsums: den Klimawandel. (Peta 2013; Swissveg 2013, 1.2., 1.9.)

Laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, werden 18 Prozent der globalen vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen von der Nutztierhaltung verursacht. Das Worldwatch Institute beziffert diesen Anteil – alle Faktoren miteingerechnet – sogar mit 51 Prozent!Der Nutztiersektor erzeugt mehr Treibhausgase als der gesamte weltweite Verkehr. Die klimaschädlichen Emissionen entstehen u.a. durch die Verdauung der Tiere und die Abholzung von Wäldern für Weide- oder Futteranbauflächen. (Swissveg 2013, 1.2.; Peta 2013)

Gesundheit

Dass sich die ökologischen Schäden, die die Nutztierwirtschaft im Allgemeinen und die Fleischproduktion im Besonderen verursachen, auch nachteilig auf die menschliche Gesundheit auswirken, liegt auf der Hand. Darüber hinaus belegen zahlreiche Studien, dass der Konsum von Fleisch und anderen tierlichen Produkten auch direkte negative gesundheitliche Folgen hat. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Krebs, Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Generell attestiert die Academy of Nutrition and Dietetics, der weltweit größte Zusammenschluss professioneller Ernährungsexperten, dem Vegetarismus und dem Veganismus, gut geplant, physiologisch bedarfsgerechte und gesundheitlich vorteilhafte Ernährungsformen zu sein. (Swissveg 2013, 3.3.; Peta, 2010; Peta 2012 / 2013)

Ein ernsthaftes medizinisches Problem der Nutztierhaltung stellt der massive Einsatz von Antibiotika zur Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten dar. Die unnatürlichen Haltungsbedingungen machen dies notwendig, weil das Immunsystem der Tiere durch diverse Stressfaktoren, etwa Trennung von der Mutter, Transport und Zusammenführung mit fremden Artgenossen, extrem geschwächt wird. Durch diesen Medikamenteneinsatz werden immer mehr Bakterien resistent gegen die Behandlung mit den eingesetzten Antibiotika. Die Ü̈bertragung von Antibiotikaresistenzen vom Tier auf den Menschen gehört zu den größten Gesundheitsrisken der Nutztierhaltung. (Swissveg 2013, 2.3.)

Quellen

Peta: Positionspapier der AND (Academy of Nutrition and Dietetics). 2010. In:

http://www.peta.de/ADA# (28.9.2016)

Peta: Prävention von Krankheiten. 2012 / 2013. In:

http://www.peta.de/themen/Prävention%5Fvon%5FKrankheiten (28.9.2016)

Peta: Umweltschutz. 2013. In: http://www.peta.de/umwelt# (27.9.2016)

Peta: Vegane Lebensweise bekämpft Welthunger. 2014. In:

http://www.peta.de/welthunger# (27.9.2016)

Swissveg: Argumente für eine vegetarische Ernährung. 2013. In:

http://swissveg.ch/sites/swissveg.ch/files/bilder/PDFs/faktenblatt_langversion_201404.pdf (27.9.2016)