Wie können Tierrechte verwirklicht werden?

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Wie können Tierrechte verwirklicht werden?

Helmut F. Kaplan

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Zugegeben: Auch Bilder über den Terror gegen Tiere haben bis jetzt wenig bewirkt. Aber wenn schon das beste Instrument zuwenig bewirkt, muß es eben (noch) stärker eingesetzt werden. Fest steht: WENN sich irgendwo etwas bewegt, dann immer erst, nachdem es starke Bilder gegeben hat: Der ABU GRAIB-Folterskandal wurde durch Fotos und Videos aufgedeckt. Im VIETNAMKRIEG waren es die Bilder, die ab einem gewissen Zeitpunkt das Geschehen bestimmten. Und die Reaktionen auf WIKILEAKS waren nicht zuletzt deshalb so hysterisch, weil WikiLeaks die Post-Vietnam-Strategie der Bilderzensur besonders spektakulär durchkreuzte.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Die Sache hat leider eine Kehrseite: Auch die Wirkung des besten Bildes kann durch wenige Worte zunichte gemacht werden. Durch religiöse, ideologische, weltanschauliche „Filter“ nämlich, die sich quasi zwischen Bilder, sprich: die Realität, und den Betrachter schieben. Ein Beispiel: Im Buch „Soldaten“ (von Sönke Neitzel und Harald Welzer) wird dramatisch veranschaulicht, wie erschütternd schnell aus ganz normalen Menschen brutale Mord- und Foltermaschinen werden können.

Was passiert da? Die Täter sehen zwar die „Bilder“, die aktuelle Realität: weinende Menschen, verzweifelte Menschen, um ihr Leben bettelnde Menschen usw. Aber diese „Bilder“ verfehlen ihre mögliche und wünschenswerte Wirkung. Warum? Weil sich die Täter sagen: In Wirklichkeit sind das doch gar keine richtigen Menschen! Sondern minderwertige Menschen, Untermenschen, gar keine Menschen, Ungeziefer usw.

Diese für die Opfer tendenziell tödliche Umdefinierung bzw. „moralische Herabstufung“ kann schnell wieder rückgängig gemacht werden. Etwa durch einen politischen Friedensschluß, der die betreffenden Menschen (wieder) zu Verbündeten erklärt. Ebenso schnell kann die ursprüngliche „Herabstufung“ erfolgen: Jüdische Nachbarn beispielsweise, mit denen man jahrelange freundschaftliche Beziehungen pflegte, konnten sich im „Dritten Reich“ binnen kürzester Zeit in Personen verwandeln, mit denen man absolut nichts mehr zu tun haben wollte.

Eine „Bildervernichtung durch Worte“ findet auch in bezug auf Tiere statt: Die Menschen sehen zwar – in Tierfabriken, Schlachthöfen, Versuchlabors usw. – die leidenden Tiere, denken aber sofort: Ja, gut, sieht schon schlimm aus – aber es sind Tiere, keine Menschen. Und Tiere sind nicht nach Gottes Ebenbild erschaffen,  haben keine unsterbliche Seele, sind nicht „vernunftbegabt“; die kriegen das alles auch nicht so richtig mit usw.

Und diese „Bildervernichtung durch Worte“ wirkt noch wesentlich stärker als im Hinblick auf Menschen! Erstens existieren diese – hier wohl primär religiösen – „Filter“ seit Jahrtausenden. Und zweitens ist es natürlich bei Mitgliedern anderer Spezies ungleich leichter, sich einzureden, daß sie eigentlich überhaupt nicht so sind und überhaupt nicht so empfinden wie wir.

An die Stelle dieser „BILDERVERNICHTENDEN“ DOGMEN sollen – neben biologischen Fakten – ETHISCHE PRINZIPIEN treten! Einfache, einleuchtende ethische Prinzipien. Zum Beispiel: Gleicher Schmerz ist gleich schlecht, egal ob er von Weißen, Schwarzen, Frauen, Kindern oder Tieren erlebt wird.

Zur ersten Strategie BILDER soll also die zweite Strategie ETHIK kommen – um sicherzustellen, daß die Bilder ihre Wirkung nicht verfehlen. Also: Erstens BILDER, die die grausame Realität anschaulich zeigen. Zweitens ETHISCHE PRINZIPIEN, die sicherstellen, daß diese Bilder auch richtig wahrgenommen werden – und nicht durch irgendwelche Thesen, Theorien oder Hirngespinste neutralisiert oder verfälscht werden.

Die Tierrechtsbewegung ist die konsequente und notwendige Fortsetzung anderer Befreiungsbewegungen wie etwa der Befreiung der Sklaven oder der Emanzipation der Frauen. Aber das müssen wir SAGEN und das müssen wir ZEIGEN. Und beides funktioniert nur mit klaren ethischen Aussagen, nicht mit absurden Formeln wie etwa „Weniger Fleisch essen!“

Wir fordern ja auch nicht „Weniger Foltern!“ oder „Weniger Vergewaltigen!“ Warum? Weil Foltern und Vergewaltigen IMMER falsch sind! Und Tiere zu essen, ist auch immer falsch – egal, wie wir sie aufziehen und umbringen und egal, ob wir fleischfreie Tage einführen. Das dumme Gerede von „Bio“, „Veggieday“ und so weiter lenkt nur vom Wesentlichen ab: Leidensfähige Lebewesen für einen kurzen Gaumenkitzel umzubringen ist ein Verbrechen.

Wer meine Tierrechtsarbeit unterstützen will: https://www.paypal.me/helmutkaplan

Zur Person: https://tierrechte-kaplan.de/biografie/